Ein wahre Geschichte über einen tapferen Kater und seine Familie: Teil 1

Die folgende Geschichte über den tapferen Kater Emilio wurde mir freundlicherweise von einer Nutzerin aus dem mietzmietz.de Forum weiter geleitet. Sie hat die Ereignisse selbst erlebt und anschließend alles aufgeschrieben, um Menschen, die vor derselben Situation stehen, eine Entscheidungshilfe zu geben. Mit der Geschichte soll aktuellen und besonders auch zukünftigen Katzenbesitzern gezeigt werden, dass der Weg mit einem Haustier unter Umständen nicht immer leicht ist.
Manchmal müssen Tier und Herrchen/Frauchen sehr lange kämpfen, ohne zu wissen ob am Ende alles gut werden wird. Jeder, der sich ein Haustier halten möchte, sollte wissen, dass damit eine riesen Verantwortung verbunden ist und man leider manchmal sehr schwere Entscheidungen treffen muss.

Emilio hat das Wort…

Ihr Menschen seid doch schon sehr seltsame Geschöpfe…

Auf der einen Seite überfahrt ihr mich… Ihr lasst mich völlig unbeachtet am Straßenrand liegen, obwohl ich so laut um Hilfe geschrien habe. Die ganze Nacht habe ich nach meinen Katzeneltern gerufen, die suchen mich doch bestimmt! Warum kann ich eigentlich nicht aufstehen und meine Beine bewegen? Wisst ihr, warum mir mein Kopf und mein Mäulchen so schmerzen? Das liegt bestimmt an den zersplitterten Reißzähnen, die sich tief in meine Wangen graben. Es tut mir alles sooo weh…!!! Wieso hilft mir denn niemand??? Jetzt liege ich schon ganz lange hier, ich bin schon ganz steif und schläfrig. Wenn ich jetzt einfach so meinen Kopf hinlege, geht es bestimmt ganz schnell. Müde genug bin ich ja, und viel Hoffnung habe ich auch nicht mehr, meine Stimme ist fast weg. Ganz weit entfernt höre ich ein Geräusch. War da eine Stimme? Benommen hebe ich den Kopf und lausche dem warmherzigen Klang, der mir sagt, dass jetzt alles gut wird. Eine Frau nimmt mich auf den Arm, ich denke noch: “Oh, nein, ich mache sie ganz schmutzig!“ Offensichtlich macht der netten Dame das nichts aus, denn sie spricht ganz lieb mit mir. Ich fühle mich wieder ein wenig besser, bin ganz ruhig und lausche der Stimme, die Hilfe verspricht. Nach einer ganz kurzen Weile werde ich bei Menschen abgegeben, die sich sofort um mich kümmern. Ob die wohl wissen, wie man dieses Ding in meinem Nacken abliest? – Sie wissen es, ich höre meine Katzeneltern! Warum klingen die denn so komisch? Die weinen doch nicht etwa? Ich glaube, ich kann sie riechen, da kommen sie, und jetzt weiß ich, dass alles gut wird.

Emilio

Emilio

Emilio ist am 17.01.2010 geboren. Wir haben ihn von einer sehr netten Züchterin gekauft. Er hatte damals schon eine Behinderung, sein linkes Auge ist erblindet, das hat ihn und uns nie gestört.

Donnerstag, 20.11.2011

Der Tag begann völlig bedeutungslos. Ich fütterte mein Katzenrudel, und nichts wies auf das einschneidende Erlebnis hin, das unser Leben völlig durcheinander wirbeln würde.

Emilio, mein kleiner Nimmersatt, ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach: „Wie kann ich am schnellsten alle Näpfchen leerräumen, ohne dass die anderen Pelzgesichter dazwischen funken?“. Diesen Sport betreibt er mit Hingabe, daher wurde ich schon leicht unruhig, als er zur nächsten Fütterung nicht auftauchte. Selbst Lockrufen, die er sonst immer befolgt (gibt ja auch ein besonderes Leckerchen), widerstand er. Als er auch abends nicht nach Hause kam, ließ unsere tiefe, innige Bindung mich spüren, dass etwas ganz Grässliches passiert sein musste. Kennen Sie dieses subtile, unbestimmte Gefühl, das in einem bohrt und Magenschmerzen verursacht? Unsere ausgiebige Suche verlief ergebnislos und die folgende Nacht ohne einen Moment Schlaf.

Der Anruf von Tasso kam daher nicht unerwartet. Ich habe Emilio bei der Kastration chippen lassen. Die erstversorgenden Tierärzte haben den Chip ausgelesen, Tasso informiert und meinen Rückruf erbeten. Spätestens in diesem Augenblick verknotete sich mein Magen zu einem unförmigen Etwas. Mein Mann hinterfragte gar nichts, sondern sagte:“Ich hole das Auto, nimm dein Handy mit, du kannst auf dem Weg mit der Praxis telefonieren.“ Während des Telefonates versuchte mir die behandelnde Ärztin einfühlsam mitzuteilen, dass mein Kater schwer verletzt abgegeben worden sei. Offensichtlich habe ein Auto ihn überfahren und es sähe gar nicht gut aus, ich solle mich auf das Schlimmste einstellen. Obwohl mir augenblicklich das Blut in die untere Körperregion sackte, ich anfing zu heulen, wollte ich wissen, welche Verletzungen er genau hat. In meinem Kopf tauchten unwillkürlich furchtbare Bilder auf. Von überfahrenen Katzen, die blutverschmiert, mit zerquetschten Gliedern einfach so daliegen. Worte wie Lähmung, keinerlei Schmerzreflexe, Dehydrierung und Unterkühlung fielen. In dem Moment dachte ich gar nichts mehr.

Wenige Minuten später trafen wir in der Praxis ein. Als man uns sofort in ein Behandlungszimmer führte, obwohl das Wartezimmer überfüllt war, ahnte ich schon, was für ein schlimmer Anblick mich erwarten würde. Da lag er, ein kleines Häufchen Elend. Ich dachte noch: „Sieht doch gar nicht so schlimm aus, keine zerquetschten Gliedmaßen, und wo ist das Blut?“ Ich näherte mich vorsichtig und sprach ihn an. „Hey, mein Junge, was machst Du nur für Sachen?“. Er hob mühsam den Kopf. Erst da sah ich das ganze schreckliche Ausmaß. Der Mund war verformt, das Fell unterm Kinn abgerissen, die Zähne im Mäulchen zersplittert. Der mitleidige Blick der Tierärztin Frau Dr. Hellmann sprach Bände. Emilios Hinterläufe und der linke Vorderlauf wiesen eine Parese (Lähmung) auf. Zum Test der Schmerzreflexe wurde Emilio im Bereich der Lähmungen vorsichtig mit einer Nadel gepiekt und mit einer medizinischen Zange angefasst – er schien es leider überhaupt nicht zu spüren!

Ein wahre Geschichte über einen tapferen Kater und seine Familie: Teil 2

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